Wo Redefreiheit drauf steht, ist künftig Redefreiheit drin, wenn auch zu einem stolzen Preis. Netzbetreiber E-Plus und Mobilfunkanbieter Freenet haben seit dem 1. April jeweils einen echten Handy-Flatrate-Tarif im Programm, mit dem die Kunden in alle deutschen Netze unbeschränkt telefonieren können. Der Versand von Kurznachrichten wird allerdings immer noch extra berechnet. Hans Fluhme, Anwalt bei der Verbraucherzentrale Hamburg, begrüßt die Einführung der Flatrates: «So sind die Kosten für die Verbraucher transparent.» Außerdem hätten die Anbieter nun keinen Grund mehr, Einzelverbindungsdaten zu speichern, da alle Gespräche im Pauschalpreis enthalten seien.

Bei E-Plus kostet die Flatrate «Base 5» 90 Euro im Monat, Freenet verlangt für die über das O2-Netz laufende «free Flat XL» monatlich 89 Euro. Die Handy-Kunden geben während der zweijährigen Vertragslaufzeit also über 2100 Euro fürs Telefonieren aus.

Wollen sie ein subventioniertes Handy, kommen bei Freenet pro Monat zehn Euro dazu, E-Plus-Kunden zahlen zwischen fünf und zehn Euro zusätzlich. Der Versand einer SMS kostet bei E-Plus 19 Cent, Freenet verlangt 20 Cent. Die Anschlussgebühr beträgt in beiden Fällen rund 25 Euro.

Vorteil:

Für Dauertelefonierer, die viel in unterschiedlichen Netzen anrufen, sind die neuen Flatrate-Tarife geeignet. Da es inzwischen schon DSL-Anschlüsse ohne Telefonanschluss gibt, kann der Festnetzanschluss ganz abgeschafft werden.

Nachteil:

Der hohe Basispreis fällt zwei Jahre lang Monat für Monat an, egal ob wirklich telefoniert wird oder nicht. Wer das Handy im Ausland nutzt, zahlt zusätzlich Roaming-Gebühren, auch wenn er in Deutschland anruft. Und auch der Versand von Kurznachrichten wird extra berechnet. Zum Vergleich: Bei günstigen Discount-Anbietern kostet die Gesprächsminute 14 Cent in alle Netze. Damit sich eine Flatrate lohnt, muss der Kunde also monatlich über 630 Minuten lang telefonieren.

Teil-Flatrates

E-Plus hat mit den Tarifen «Base 1» und «Base 2» zwei weitere Pauschaltarife im Programm. Während «Base 1» nur Gespräche ins deutsche Festnetz abdeckt, enthält «Base 2» zusätzlich Anrufe innerhalb des eigenen Handy-Netzes. «Base 2» entspricht den Flatrate-Angeboten der Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone und O2, die ebenfalls Pauschaltarife für Anrufe ins Festnetz und das eigene Netz anbieten. Für Anrufe in Fremdnetze fallen zusätzliche Kosten an. Wer sich für eine der eingeschränkten Flatrates interessiert, sollte deshalb genau überlegen, in welches Netz er am häufigsten telefoniert.Das Problem dabei: Seit Mobiltelefonierer ihre Handy-Nummer zum neuen Anbieter mitnehmen können, lässt sich anhand der Nummer nicht mehr erkennen, welche Nummer zu welchem Netz gehört. Wer nicht alle Freunde und Geschäftspartner einzeln fragen will, bekommt die Auskunft auch von den Netzbetreibern: T-Mobile Kurzwahl: 4387, Vodafone Kurzwahl: 12313, E-Plus Kurzwahl: 10667, O2: Kostenlose SMS mit dem Inhalt «Netz Rufnummer» an Kurzwahl 4636.

Vorteil:

Bei T-Mobile, Vodafone und O2 gibt es zur Flatrate eine Festnetznummer dazu, die innerhalb von zwei Kilometern des Kunden-Wohnsitzes gilt. Damit sparen Anrufer teure Gesprächs-Gebühren, und der Nutzer kann seinen Festnetzanschluss theoretisch abschaffen.

Nachteil:

Gespräche und der SMS-Versand in Fremdnetze kosten extra. Telefoniert ein Vodafone-Kunde 100 Minuten mit seiner Liebsten – die inzwischen zu T-Mobile gewechselt hat – so kostet ihn das Liebesgeflüster 29 Euro. Da sich die Mobilfunk-Tarife derzeit schnell ändern, kann es ein Nachteil sein, sich zwei Jahre lang an einen Anbieter zu binden.

Festnetz-Flatrate

Handy-Telefonierer, die überwiegend im Festnetz anrufen, können sich auch mit einer Festnetz-Flatrate begnügen, wie E-Plus und Discounter Tchibo sie anbieten. Auch hier gilt, das eigene Telefonier-Verhalten vor Vertragsabschluss genau zu analysieren, sonst wird es teuer.Tarif-Vergleich:

«Base 1», die Festnetz-Pauschale von E-Plus, kostet 15 Euro pro Monat, alle Anrufe in Handy-Netze werden mit 25 Cent pro Minute abgerechnet. Zum Vergleich: Bei der Tchibo-Flatrate kosten Gespräche in deutsche Mobilfunknetze nur 15 Cent pro Minute, innerhalb des Tchibo-Netzes fünf Cent. Für das Versenden einer SMS werden wie bei E-Plus 19 Cent berechnet. Die Tchibo-Flatrate wird für monatlich zehn Euro als Option zum Tchibo-Komfort-Tarif dazugebucht, der im Monat mit 2,90 Euro kostet – insgesamt zahlen Tchibo-Kunden einschließlich Flatrate also 12,90 Euro im Monat. Tchibo-Kunden können den Handy-Vertrag Monat für Monat kündigen, während Base-Kunden sich zwei Jahre lang an die Flatrate binden.

Quelle : Netzeitung



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Echte Handy-Flatrates gestartet. Base 5 und Freenet sorgen für Bewegung im Markt., 8.7 out of 10 based on 15 ratings